Die niedrige Wand, an der die Schräge ansetzt
Wer im Dachgeschoss zur Außenwand geht, trifft zuerst auf ein kurzes senkrechtes Stück Wand. Darüber beginnt die Schräge. Dieses Stück heißt Kniestock, und ein zweites Wort dafür ist Drempel.
Konstruktiv ist der Kniestock die Außenwand, die über die oberste Decke hinausragt und das Dach trägt. Auf ihr liegt in vielen Dächern die Fußpfette, auf der die Sparren aufsitzen. Je höher diese Wand, desto später beginnt die Schräge und desto mehr Raum wird nutzbar.
Im Ausbau taucht der Begriff ein zweites Mal auf. Die Kniestockwand oder Drempelwand ist dann eine innere Wand in Trockenbau. Sie steht etwas weiter im Raum und trennt den Wohnbereich von der niedrigen Abseite. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb prüfen, welche der beiden Wände gemeint ist.
Wo gemessen wird und warum das Maß schwankt
Ein Kniestock von 0,80 m ist nicht überall gleich viel wert. Planer, Bebauungspläne und Wohnflächenberechnungen setzen die Messpunkte teils unterschiedlich an. Üblich ist die Oberkante der Decke als unterer Punkt, oben der Punkt, an dem die Dachschräge innen die Wand trifft. Welcher Bezug gilt, gehört deshalb in jede Angabe.
Für die spätere Nutzung zählt das fertige Maß. Gemessen wird dann vom fertigen Boden bis zur fertigen Bekleidung der Schräge. Jede Schicht des neuen Bodens, von der Schüttung bis zum Trockenestrich, hebt die Standfläche an. Eine Dämmlage unter den Sparren rückt die Schräge nach innen. Beides verkleinert den Kniestock, den man später tatsächlich spürt.
Beim Aufmaß nehmen wir deshalb beide Werte auf: den Rohbau und das Maß nach dem geplanten Aufbau. In Gebieten mit Bebauungsplan können Gestaltungsvorgaben die Dachform betreffen. Ob sie auch den Kniestock regeln, steht im jeweiligen Plan.
Wie der Kniestock die Stehhöhe verschiebt
Unter einer Schräge wächst die Höhe mit jedem Schritt weg von der Außenwand. Der Kniestock ist dabei der Startwert. Bei 45 Grad Neigung kommt je Meter Abstand ein Meter Höhe dazu, bei flacheren Dächern entsprechend weniger.
Ein höherer Kniestock schiebt damit alle wichtigen Linien Richtung Außenwand. Die Linie, ab der 2 m erreicht sind, rückt nach außen. Dasselbe gilt für die Linie von 2,20 m, die für die Berliner Mindesthöhe zählt. Mitten im Raum ändert sich wenig, am Rand gewinnt man die Fläche, die vorher nur zum Abstellen taugte.
Zwei Schwellen lassen sich direkt am Kniestock ablesen. Liegt er bei 1 m oder höher, gibt es keine Fläche unter einem Meter mehr. Liegt er über 1,50 m, bleibt bei der Mindesthöhe nach § 47 BauO Bln kein Raumteil mehr außer Betracht.
Drei Dächer im Wohnflächenrechner
Der Rechner für Wohnfläche unter Schrägen zeigt die Wirkung an drei durchgerechneten Dächern.
| Beispiel A | Beispiel B | Beispiel C | |
|---|---|---|---|
| Grundriss | 10 × 8 m | 8 × 6 m | 12 × 9 m |
| Kniestock | 0,80 m | 0,40 m | 1,00 m |
| Neigung | 45 Grad | 35 Grad | 50 Grad |
| Grundfläche | 80,0 m² | 48,0 m² | 108,0 m² |
| Fläche ab 2 m | 56,0 m² | 11,4 m² | |
| Fläche 1 bis 2 m, angerechnet | 20,0 m², zählt 10,0 | 22,9 m², zählt 11,4 | |
| Fläche unter 1 m | 4,0 m² | 13,7 m² | |
| Wohnfläche nach WoFlV | 66,0 m² | 22,9 m² | 97,9 m² |
In Beispiel A ragt der First rund 4,80 m über den Boden, in Beispiel B nur rund 2,50 m. Unter einem Meter liegen bei A lediglich 4,0 m², bei B dagegen 13,7 m². Beispiel C mit 1,00 m Kniestock rechnet 97,9 von 108,0 m² Grundfläche als Wohnfläche an, also rund 91 %.
Die drei Dächer unterscheiden sich auch in Breite und Neigung. Der Kniestock ist also ein Hebel neben anderen. Er ist aber derjenige, den man im Grundriss sofort am Rand bemerkt.
Was die Beispiele für ein Zimmer bedeuten
Die Bauordnung fragt nicht nach dem Kniestock, sondern nach der Höhe über der Fläche. Für Beispiel A liegen 66,0 m² über 1,50 m. Davon erreichen 52,0 m² mindestens 2,20 m, das sind 79 %. Die Mindesthöhe ist damit erreicht.
In Beispiel B zählen 22,9 m² über 1,50 m, und nur 6,9 m² davon kommen auf 2,20 m. Mit 30 % fehlt für einen Aufenthaltsraum die Stehhöhe. Eine Gaube oder ein höherer Kniestock schafft sie. Im freistehenden oder angebauten Wohnhaus der Klassen 1 und 2 spielt diese Prüfung seit dem 23.07.2026 keine Rolle mehr. Die Einzelheiten stehen unter Raumhöhe nach § 47.
Kniestock und Wohnflächenverordnung
Die Wohnflächenverordnung teilt die Fläche unter der Schräge in drei Bänder. Ab 2 m lichter Höhe zählt sie voll, von 1 bis unter 2 m zur Hälfte. Was niedriger als 1 m ist, bleibt nach § 4 WoFlV unberücksichtigt.
Der Kniestock bestimmt, wie breit das unterste Band wird. Bei 1 m Kniestock verschwindet es ganz, wie Beispiel C zeigt. Das mittlere Band bleibt, wird aber schmaler, je steiler das Dach ist. Die bauordnungsrechtliche Mindesthöhe ist eine getrennte Rechnung mit anderen Grenzen.
Die Kniestockwand im Ausbau
Beim Ausbau zieht der Trockenbau eine senkrechte Wand dort ein, wo die Schräge eine brauchbare Höhe erreicht. Das schafft eine gerade Wand für Bett, Sofa oder Regal. Für eine solche Wand am Kniestock rechnen wir erfahrungsgemäß mit 55 bis 90 € je m² Wandfläche. Soll sie unter Streiflicht glatt wirken, kostet Q3 12 % und Q4 25 % mehr als Q2.
Wo die Wand steht, ist eine Planungsfrage. Steht sie genau auf der Linie, an der die Schräge 1 m erreicht, geht nach § 4 WoFlV keine anrechenbare Fläche verloren. Weiter im Raum wird die Wand höher und der Raum gerader, dafür schrumpft das halb angerechnete Band.
Bleibt die Abseite unbeheizt, wird die Kniestockwand zur Grenze zwischen warm und kalt. Anlage 7 GModG nennt für Abseitenwände U 0,24 W/(m²K). Dann gehört auch der Boden der Abseite in die Dämmplanung. Liegen Leitungen hinter der Wand, planen wir eine Revisionsöffnung ein. Mehr zu Platten, Ständerwerk und Q-Stufen steht unter Trockenbau im Dachgeschoss.
Stauraum im Kniestock
Die Abseite hinter der Wand ist niedrig, reicht aber für Koffer, Kisten und Wintersachen. Mit Schiebetüren oder Schubkästen wird daraus ein Einbauschrank. Hinter der Kniestockwand kostet ein solcher Schrank in Trockenbau in der Regel 600 bis 1.200 € je laufendem Meter. Auszüge, Türen und Einteilung zeigt die Seite Einbauschrank unter der Schräge.
Wenn der Kniestock zu niedrig ausfällt
Siedlungshäuser der 1920er und 1930er haben oft einen sehr niedrigen Kniestock. In den Einfamilienhausgebieten von Marzahn-Hellersdorf ist das eine typische Ausgangslage unter dem Dach. Drei Wege schaffen dort Höhe.
Die Gaube hebt das Dach auf einem Abschnitt an und lässt den Rest unberührt. Den Kniestock selbst zu erhöhen, bedeutet eine höhere Traufe und einen angepassten Dachstuhl. Das rechnet ein Tragwerksplaner, und das Verfahren klärt der Architekt vorab. Die Aufstockung setzt ein ganzes Geschoss auf. Welche Idee zu welchem Dach passt, vergleicht die Seite Ideen für einen flachen Dachboden.
Für geschützte Häuser gibt das Landesdenkmalamt vor, Traufhöhe, Firsthöhe und Neigung beizubehalten. Mehr Höhe entsteht dort über eine Gaube, deren Form die Denkmalbehörde mitbestimmt.
Der Kniestock im Berliner Altbau
Im Gründerzeithaus sieht die Lage anders aus. Das Berliner Dach zeigt zur Straße eine steile Fläche, typisch um 60 Grad, die etwa ein Geschoss hoch ist. Hofseitig ist das Dach meist flacher, typisch um 45 Grad. Die steile Straßenseite gibt schon nahe der Fassade viel Höhe, ähnlich wie ein hoher Kniestock.
In den großbürgerlichen Häusern von Charlottenburg kommen steile Mansarddächer hinzu. Dort ist weniger die Stehhöhe das Thema als die Frage, wie Gauben sich in die Traufkante fügen. Die oberste Decke ist in diesen Häusern meist eine Holzbalkendecke. Ihr neuer Aufbau entscheidet mit, wie viel vom Kniestock am Ende bleibt.
Flache Dächer der Nachkriegszeit und steile der Zwischenkriegszeit
Die Zeilenbauten der 1950er und 1960er tragen meist flach geneigte Satteldächer. Dort fehlt die steile Fläche, die im Gründerzeitdach für Höhe sorgt. Bei flacher Neigung wächst die Höhe je Meter Abstand langsamer, und ein niedriger Kniestock fällt stärker ins Gewicht. In Steglitz stehen beide Welten nah beieinander: Gründerzeit rund um die Schloßstraße und Zeilen der Nachkriegszeit.
Im Mietshaus der 1920er in Baumschulenweg liegt die Sache wieder anders. Unter dem steilen Satteldach begrenzt dort häufig eine Kehlbalkenlage den Raum nach oben. Neben dem Kniestock zählt dann die Höhe der Kehlbalken, weil sie festlegt, wie hoch der Raum darunter werden kann. Ob sich die Balken versetzen lassen, entscheidet die Statik.
Wo Sie tiefer einsteigen können
- Dachformen in Berlin: Berliner Dach, Mansarde, Walmdach und Siedlungsdach im Vergleich.
- Gaubenkosten berechnen: was eine Gaube je laufendem Meter kostet.
- Dachdämmung von innen: wie viel Aufbau die Dämmung an der Schräge braucht.
- Spitzboden nutzen: die Ebene über der Kehlbalkenlage als Schlaf- oder Stauraum.
Was wir am Kniestock planen und bauen
Beim Termin auf dem Dachboden messen wir Kniestock, Neigung und Firsthöhe im Rohbau. Dazu rechnen wir den geplanten Boden- und Dämmaufbau ein und zeigen, wo die Kniestockwand am besten steht. Soll die Traufe höher, binden wir den Tragwerksplaner ein.
Für einen höheren Drempel stellt die Zimmerei den Dachstuhl um; das übernehmen feste Partnerbetriebe, mit denen wir seit Jahren zusammen bauen. Kniestockwand und Einbauschrank kommen aus einer Hand, den Anstrich der Schrägen übernehmen unsere eigenen Leute. Sie unterschreiben dafür einen Vertrag und sprechen mit einem Bauleiter.
Ihr Kniestock, richtig vermessen
Ob 0,40 m oder 1,00 m: Welche Fläche daraus wird, zeigt der Schnitt nach dem Aufmaß. Nennen Sie uns Kniestockhöhe und Neigung, wenn Sie sie kennen, am Telefon unter 030 8268 9996, montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr. Wer die Maße noch nicht kennt, schildert sein Dach einfach über das Anfrageformular.
