Steiles Altbaudach, flaches Fünfzigerdach
Das Berliner Dach steigt zur Straße typisch um 60 Grad an und bietet dahinter einen Raum von etwa Geschosshöhe. Dort erreichen Aufenthaltsräume die 2,20 Meter über der Hälfte der Netto-Raumfläche, die § 47 BauO Bln im Dachraum verlangt, in der Regel ohne Umwege. Das flach geneigte Satteldach der Nachkriegszeit lässt dagegen meist nur einen niedrigen Spitzraum. Auf diesen Häusern schafft eine Aufstockung volle Raumhöhe für ein ganzes Geschoss.
Holzbalken im Altbau, massive Decken im Nachkriegshaus
Im Gründerzeithaus liegt unter dem Dach eine Holzbalkendecke, die der Tragwerksplaner für die neue Last nachrechnet. In den Häusern der 1950er-Jahre sind die Decken häufig massiv. Für eine Aufstockung zählt zusätzlich, was die Außenwände und Fundamente noch aufnehmen. Die leichte Holzbauweise spielt hier ihre Stärke aus, weil sie wenig Gewicht auf den Bestand bringt.
Der Strang als Engstelle
Jede neue Wohnung unter dem Dach braucht Wasser, Abwasser und Wärme aus dem Keller. Im Altbau verlängern wir die vorhandenen Stränge, im Nachkriegshaus liegen sie oft in einem Schacht neben dem Bad. Wie gut die alten Leitungen noch sind, zeigt sich beim Öffnen. Den Heizkreis ins neue Geschoss zu verlängern, kostet erfahrungsgemäß 3.500 bis 8.000 Euro je Wohnung.
Hof, Leiter und zweiter Rettungsweg
Seitenflügel und Hinterhäuser in Nord-Schöneberg sind für die Drehleiter oft schwer erreichbar. Liegt die Brüstung der Anleiterstelle höher als 8 Meter, braucht es eine Zufahrt für das Hubrettungsfahrzeug. Fehlt auf dem Hof die Aufstellfläche, verlangt die Bauaufsicht einen zweiten baulichen Rettungsweg. Bei der Aufstockung eines Vorderhauses an der Straße ist die Anleiterung meist einfacher zu planen.
Wärmeschutz unter dem neuen Dach
Wer aufstockt, baut ein neues Dach und dämmt es vollständig. Beim Ausbau im Altbau begrenzt die Sparrenhöhe oft die Dämmdicke. Dann genügt nach dem GModG die höchstmögliche Dicke, bei Einblasdämmung oder Naturdämmstoff mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,045. Entstehen mehr als 50 Quadratmeter neue Nutzfläche, gehört der Nachweis zum sommerlichen Wärmeschutz in die Planung.