Wer in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain vom Gehweg nach oben schaut, sieht über der Traufe eine steile, mit Pfannen gedeckte Fläche. Die db deutsche bauzeitung beschreibt das Berliner Dach als besondere Dachform traufständiger Mietshäuser der Gründerzeit. Die steile Fläche ist etwa ein Geschoss hoch und geht nach einem Knick in ein sehr flaches Dach über, gedeckt mit Pappe oder Blech. Von der Straße aus wirkt das Haus dadurch, als trüge es ein gewöhnliches Satteldach.
Typisch ist eine Neigung um 60 Grad zur Straße, zum Hof hin liegt die Fläche meist flacher, um 45 Grad. Diese Gradzahlen sind Richtwerte aus der Fachliteratur und schwanken von Haus zu Haus. Der flache Teil wurde häufig als Holzzementdach ausgeführt. Konstruktiv gilt das Berliner Dach als vereinfachte Mansarde, und der Raum darunter diente als Trockenboden und Abstellraum.
Hinter der steilen Straßenseite
Die steile Fläche steht beinahe wie eine schräge Wand im Raum. Hinter ihr entsteht deshalb ein breiter Streifen mit voller Stehhöhe, der sich für Wohnräume mit Blick zur Straße eignet. Über Vorderhaus und Seitenflügel lassen sich so oft zwei oder drei Wohnungen nebeneinander schneiden. Zum Hof fällt die Höhe wegen der flacheren Neigung schneller ab. Dort finden Bad, Abstellraum und Schränke unter der Schräge ihren Platz. Wie viel Höhe unter dem flachen Oberteil bleibt, hängt davon ab, wie hoch der Knick über der obersten Decke liegt.
Licht kommt über Gauben in der steilen Fläche oder über Dachfenster. Ein Rettungsfenster im Dach darf mit seiner Unterkante oder einem vorgelagerten Austritt höchstens 1 Meter waagerecht von der Traufkante entfernt sein. So regelt es § 37 Abs. 5 BauO Bln. Ob ein Fenster in der steilen Fläche diese Zone erreicht, hängt von der Lage des Fußbodens zur Traufe ab. Das prüft der Planer im Schnitt, bevor die Fensterachsen festliegen.
Der flache Oberteil: Terrasse und Fläche für Solarmodule
Der fast ebene Oberteil ist die naheliegende Fläche für eine Terrasse auf dem Dach. Dafür braucht er eine neue Abdichtung, einen Unterbau, den der Tragwerksplaner nachrechnet, und eine Umwehrung nach § 38 BauO Bln. Bei mehr als 12 Metern Absturzhöhe muss die Brüstung mindestens 1,10 Meter hoch sein.
Wird beim Ausbau die wasserführende Schicht erheblich erneuert, greift außerdem das Solargesetz Berlin. Es verlangt dann Photovoltaik auf mindestens 30 Prozent der Nettodachfläche. Terrasse und Module teilen sich also den Oberteil, und ihre Aufteilung gehört früh in die Planung.